Be-Stimmungen zum Aufbau des Blogs

Dieser Blog enthält

1) Sachtexte: Hausarbeiten, Leserbriefe, Bemerkungen und andere wissenschatliche bzw. essayistische Texte und Rezensionen.

2) literarische Texte: Gedichte, Geschichten, sog. Kryptae (kurze prägnante Texte im Stil von "Die Schlange fragte...") und sog. Minuties (flash-fiction, Kürzestgeschichten, was in einigen Minuten gelesen werden kann).

3) sonstige Texte: Geburtagswünsche, Tagebuchähnliches, Be-Stimmungen etc.

4) Vorankündigungen meiner Veröffentlichungen

5) das Gedicht des Tages

Viel Vergnügen.


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Freitag, April 10, 2015

Gedicht des Tages: Nach unserem Tode, Liebste ...

Gedicht des Tages

Nach unserem Tode, Liebste

von Dieter Melzer (aus: Ausblicke und Einsichten, 2014)



bleibt etwas, was wir uns hier waren,
wie nah wir uns in all‘ den Jahren?

Ich denke schon …
dass Staub und Asche nicht allein
beenden das Zusammensein,
nein, wie soll ich’s beschreiben,
ich glaube, uns’re Seelen bleiben.

Ich spüre oft …
Das Leben ist uns nur geliehen,
ganz kurz der Weg und klein der Schritt,
doch zeitlos uns’re Seelen ziehen
und führen unser Leben mit.

Ich träume dann …
wie deine Seele und auch meine
gemeinsam sind auf ew’ger Reise,
Erinnerung im Weltenscheine
an unser beider Lebensweise.

Ich fühle sacht …
wie wir sind dann bei unsren Lieben,
die schon gegangen, noch geblieben,
und uns’re Seelen sind
bei jedem Vorfahr, Kind und Kindeskind.

Ich ahne fast …
wir sind auch nach dem Tode noch ein Paar,
denn uns’re Seelen leben fort
in allen Zeiten, Jahr um Jahr,
an jedem Platz und jedem Ort.


Sag‘ Liebste, wovor soll’n wir ernsthaft bangen,
wenn einer geht, der and’re wird ihn fangen
und uns’re Seeleen werden sich vereinen,
des andern Tod woll’n lächelnd wir beweinen.

Dienstag, Februar 04, 2014

Gedicht des Tages



Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe?

Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe?
Ich bin dein Krug (wenn ich zerscherbe?)
Ich bin dein Trank (wenn ich verderbe?)

Bin dein Gewand und dein Gewerbe,
mit mir verlierst du deinen Sinn.

Nach mir hast du kein Haus, darin
dich Worte, nah und warm, begrüßen.
Es fällt von deinen müden Füßen
die Samtsandale, die ich bin.

Dein großer Mantel lässt dich los.
Dein Blick, den ich mit meiner Wange
warm, wie mit einem Pfühl, empfange,
wird kommen, wird mich suchen, lange -
und legt beim Sonnenuntergange
sich fremden Steinen in den Schoß.

Was wirst du tun, Gott? Ich bin bange.

Rainer Maria Rilke, 26.9.1899,

Freitag, April 27, 2012

 das umstrittene Günter-Grass-Gedicht

 Was gesagt werden muss
„Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist?
Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er mißachtet wird; das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.



Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind, Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert, ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert werden soll, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muß.

Warum aber schwieg ich bislang? Weil ich meinte, meine Herkunft, die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muß, was schon morgen zu spät sein könnte; auch weil wir – als Deutsche belastet genug – Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr, weil ich der Heuchelei des Westens überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen, es mögen sich viele vom Schweigen befreien, den Verursacher der erkennbaren Gefahr zum Verzicht auf Gewalt auffordern und gleichfalls darauf bestehen, daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.


Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern, mehr noch, allen Menschen, die in dieser vom Wahn okkupierten Region dicht bei dicht verfeindet leben und letztlich auch uns zu helfen.“ 
...
„Was gesagt werden muss“: Das umstrittene Israel-Gedicht von Günter Grass im Wortlaut - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/kultur/buecher/was-gesagt-werden-muss-das-umstrittene-gedicht-von-guenter-grass-im-wortlaut_aid_732817.html

Sonntag, Januar 16, 2011

gedicht des tages: Imago (CSG)

Imago

der Winter versteckt sich
vor der Sonne und es
erwachen die Glöckchen, die Raupen
und fühlen
die Wärme, das Licht, den frischen Schein –

gestern da biss der Schnee
in Haut und Knochen
und es wartete

jetzt reckt und streckt
sich alles und freudig begrüßt
das Schwärmen den Tag

es duftet, es klingt und
leuchtet grün
beinah hört man Flügel im Kokon,
Surren und Zirpen liegt in der Luft
und es wartete

sie alle, sie alle sterben heut abend
und werden nie wissen,
dass es nicht Frühling war.

Sonntag, Dezember 05, 2010

Gedicht des Tages

Gedicht des Tages

Die Katze des Autors

Die Katze liegt wie hingegossen schimmernd im Sonnenlicht
auf dem Fensterkissen.
- o wie romantisch –

wenn sie grinsend aufspringt: short glory...


Freitag, November 12, 2010

Gedicht des Tages 1: Tiger, Tiger (William Blake)

Tiger, Tiger
(William Blake)

The Tyger

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?

In what distant deeps or skies
Burnt the fire of thine eyes?
On what wings dare he aspire?
What the hand, dare sieze the fire?

And what shoulder & what art,
Could twist the sinews of thy heart?
And when thy heart began to beat,
What dread hand? & what dread feet?

What the hammer? What the chain,
In what furnace was thy brain?
What the anvil? What dread grasp,
Dare its deadly terrors clasp!

When the stars threw down their spears
And water'd heaven with their tears:
Did he smile his work to see?
Did he who made the Lamb make thee?

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?



((absolut wunderschön))

Mittwoch, Dezember 09, 2009

Be-Stimmungen (9. Dez)

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Warnung:
Rilke kann Seelenschmerzen verursachen!!!

Donnerstag, Oktober 26, 2006

die Lust -2

neben an
(von dem Mann der allein lebt)

das schreiende Kind von nebenan
ich höre es nicht
doch, mit Gefühlsreizung und gleichzeitig
denken: es reizt mich
ich höre es nicht gern
abends besonders abends
das schreiende Kind von nebenan

ich höre es und kanns doch nie gut sehen
und -Schauder- Bilder gehen mir durch und durch
die Uhren ticken
abends besonders abends
das schreiende Kind von nebenan

ich fühle es undFeude Freude spenden
verwehrt
wo sind meine ungeborenen
Träume sind Alpträume
Genesis als Flucht
das schreiende Kind
von
neben an

ich höre es nicht

die Last - 1

neben an
(von der Frau die allein lebt)

das schreiende Kind von nebenan
anich höre es nicht gern
Mitgefühlsreizung und gleichzeitig

denken: das reizt mich
ich höre es nicht gern
abends besonders abends
das schreiende Kind von nebenan

ich höre es und habs doch nie gesehen
und Horrorbilder gehen mir durch und durch
die Uhren ticken
abends besonders abends
das schreiende Kind von nebenan

ich fühle es und Trost spenden
verwehrt
wo sind meine Ungeborenen
Träume und Alpträume
Genetik als Fluch
das schreiende Kind
von
neben an

ich höre es nicht

Sonntag, August 13, 2006

As Sisi - der Traum

ich schließe die Augen
im Dunklen fühle ich
Gaia Rousseau
im Grünen falte ich
das Tuch –Natürlichkeit
Rabe ich rufe dich
Weide ich bin hier

die sanften, honigtrunknen
Bienen hegen ihre
Läuse, schlaft-
Traumsummen webt den Sand
der Städte erobert

fernen Hügel,
der die Zedern trägt
Duft nach wildem Klee
tränkt die Weiten
dünne Wölfe holen den Mond,
gelb und saftig
sättigt er die Nacht

Rabe steigt und sehnt
sich mehr
Blüten schweben
Staub wird Seele
sucht die Sonne zu berühren
der Name
Welt ist Wald
der Name
Welt ist Wild


Rabe ich rufe dich
Weide ich bin hier