Be-Stimmungen zum Aufbau des Blogs

Dieser Blog enthält

1) Sachtexte: Hausarbeiten, Leserbriefe, Bemerkungen und andere wissenschatliche bzw. essayistische Texte und Rezensionen.

2) literarische Texte: Gedichte, Geschichten, sog. Kryptae (kurze prägnante Texte im Stil von "Die Schlange fragte...") und sog. Minuties (flash-fiction, Kürzestgeschichten, was in einigen Minuten gelesen werden kann).

3) sonstige Texte: Geburtagswünsche, Tagebuchähnliches, Be-Stimmungen etc.

4) Vorankündigungen meiner Veröffentlichungen

5) das Gedicht des Tages

Viel Vergnügen.


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Dienstag, Februar 04, 2014

Gedicht des Tages



Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe?

Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe?
Ich bin dein Krug (wenn ich zerscherbe?)
Ich bin dein Trank (wenn ich verderbe?)

Bin dein Gewand und dein Gewerbe,
mit mir verlierst du deinen Sinn.

Nach mir hast du kein Haus, darin
dich Worte, nah und warm, begrüßen.
Es fällt von deinen müden Füßen
die Samtsandale, die ich bin.

Dein großer Mantel lässt dich los.
Dein Blick, den ich mit meiner Wange
warm, wie mit einem Pfühl, empfange,
wird kommen, wird mich suchen, lange -
und legt beim Sonnenuntergange
sich fremden Steinen in den Schoß.

Was wirst du tun, Gott? Ich bin bange.

Rainer Maria Rilke, 26.9.1899,

Dienstag, Dezember 04, 2012

Maimutter



Muttertag – im Wonnemonat Mai Mai Mai,
das wissen wir.
Der Winter war sehr groß, legt Schatten Regen auf all das –
Die Blätter fielen, fielen wie von weit.
Jetzt die ersten Früchte grün und spitz,
werd’n voll süßen Sonnenschein.
Laue Lüfte, Blaue Fenster -
Kater auf dem Fenstersims und schnurrt;
Felder, Acker – Waldherz-Wald –
Amaryllis und Quellenklang,
Löwenzahn und Bienentausch –
Blätterrauschen und leiser Harfenton.
Und herrlicher Sonnentag im Mai.
One day a big wind will come –
Ja.
Aber nicht heute. Mein Kater schnurrt...


(aus dem Mai :-))         (David Shrigley: One day a big wind will come.)

Mittwoch, Dezember 09, 2009

Be-Stimmungen (9. Dez)

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Warnung:
Rilke kann Seelenschmerzen verursachen!!!